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Das Wesen der Partnerschaft

von Jado

Inspiriert durch einen Artikel in der GEO kompakt Nr.20 Liebe und Sexualität

"Jeder Ton ist eine Entscheidung. Jede Entscheidung für einen Ton heraus aus der unendlichen Stille ist auch eine Entscheidung gegen die 99% Rest der Unendlichkeit. Jede Regung heraus aus der Mitte der Unendlichkeit ist eine erste Polarisierung und erzeugt naturgemäß eine Spannung, die sich tendenziell wieder 'ausmitteln' will." (J.Adolphs 05.11.2015)

Die Grundsatz-Frage, die sich mir zum Thema Partnerschaft stellt:

Wie sieht 'unsere' individuelle Form der Partnerschaft aus?

Unterfragen:
Welche Liebes-Basis (Vertrauen, Bedingungslosigkeit, innere Harmonie usw.) haben wir? Welche Grenzen sind zu beachten und wie?
Welchen Spielraum gestehe ich mir selbst und damit auch dem Partner/in zu?
Was brauche ich wirklich vom Anderen, um mich gesehen, gewertschätzt, angenommen und geliebt zu fühlen?
Wieviel Aufmerksamkeit habe ich für die Veränderungen in mir, im Anderen im Umfeld und welche Strategien haben wir für den Umgang damit?

Spannend finde ich die in dem Artikel genannten Forschungsergebnisse über Angleichung von Körperfunktionen wie Hormonausschüttung, Blutdruck, Atemfrequenz, Schlaf in langjährigen Partnerschaften.
Kommunikativ spannend, die versteckten Muster im täglichen Miteinander. Wer kritisiert wie oft? Wer gibt wie oft Wertschätzung? Wie reagiert der Andere darauf?

Zurück zur Ausgangsfrage: Wie sieht die individuelle Form aus? Wie entsteht sie?

4 Faktoren bzw. Fragen, die demnach eine Rolle spielen:

  1. Wie entsteht die Beziehung? Wie läuft die Partnerwahl?
  2. Welchen Bindungsstil leben wir bzw. wollen wir leben?
  3. Das Kommunikationssystem?
  4. Das Glücksprogramm?

Zu den Punkten:

zu 1. Der allererste Impulse für eine Beziehung ist häufig entgegen einer klaren Logik. Danach finden wir viele Gründe, die dafür sprechen... Nun könnte man leicht an Äußeres denken, was sicher eine erste Rolle spielt, aber nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sind es noch häufiger die Umstände, in denen wir uns begegnen (Umfeld, emotionaler Zustand/Verfassung, Gesten...). Nach diesen Erkenntnissen ist ein erstes Empfinden/Wahrnehmen von Respekt (im Sinne von reflektiert werden) und Wertschätzung ausschlaggebend für die Dauerhaftigkeit der Beziehung. Das wird häufig an Gesten der Zuneigung fest gemacht wie z.b. Offenbarung, Geschenk, Einladung usw.
Eine eher skuril anmutende Einflussgröße ist der allgemeine Erregungsmoment einer Person durch das Umfeld wie z.b. ein Konzert, eine Party, ein Event. Unser Verstand sucht dann gern nach 'Erklärungen' für die unbewusste Erregung und projiziert dann gern auf einen anderen Menschen dafür. (s.Brückenexperiment von Art Aron - Sozialpsychologe) "Erregungstransfer" nennt er das und seinen Ergebnissen zufolge nehmen ca.15% aller Liebesgeschichten so ihren Anfang. Doch leider ebbt die Erregung irgendwann (meist schneller als uns lieb ist) ab... und dann?

zu 2. Dann kommt die Frage nach dem Bindungsstil einer Person.
Nach dem Stand der bekanntesten Theorie zum Beziehungsverhalten wird davon ausgegangen, dass wir uns hauptsächlich in 3 Bindungsstilen wiederfinden:

  • dem sicheren, Motto: 'Liebe kann ewig halten - warum auch nicht? (60-65% aller erwachsenen Deutschen)
  • dem vermeidend-distanzierten, Motto:'Romantische Liebe hält eh nicht lange.' (25-30% aller erwachsenen Deutschen)
  • dem ambivalent-ängstlichen, Motto:'Mein Partner hat mich nicht so gern wie ich ihn und klagt über Enge.' (ca. 15% aller erwachsenen Deutschen)

Die sicher Gebundenen haben es sicher am leichtesten in Beziehungen. Sie lassen sich nah ein ohne sich zu verlieren, sie setzen Grenzen ohne den anderen abzuwehren. Diese Stile sind zwar wissenschaftlich belegt, aber die entscheidende Frage an dieser Stelle ist: Sind wir zu einem Stil 'verdammt'?

Nach meinen Erfahrungen aus vielen Beratungen für Paare können die Stile phasenweise wechseln und dann kommt die nächste wichtige Frage. die nach dem wie kommuniziere ich meine Haltung bzw. Sichtweise?

zu 3. Das Kommunikationssystem

Hier geht es in Partnerschaften um Fragen wie:

  • Wie kommunizieren wir bzw. welche Aussagen kombinieren wir?
  • Wie lange brauchen wir bis zu einer Einigung (wie viele Runden Schlagabtausch)?
  • Wer macht wann welche Angebote?

Faszinierend finde ich das Fazit der Wissenschaft: Schlechte Beziehungen schlagen alle auf ähnliche Weise fehl, gute gelingen auf vielen verschiedenen Wegen. Glückliche Paare er-leben rasante Wechsel von Konflikt, Humor, Zuneigung, Frotzeleien, gemeinsamen Ideen und Träumen...

Ein weiteres Fazit bezeichnet Professor John Gottman mit den vier bzw. aktuell fünf 'apokalyptische Boten', die zum schnellen Ende einer Beziehung führen:

  1. einseitig negative Kritik ("Warum kannst Du nie ...?")
  2. Rechtfertigung ("Ja, aber...")
  3. Verachtung (Sarkasmus, Augenrollen, Verhöhnen)
  4. Rückzug (Vermeidung von Augenkontakt, keine Antwort...)
  5. aggressive Machtdemonstration ("Auch wenn es Dir nicht passt, ich ... Da kannst Du gar nichts machen.")

Fortsetzung folgt...

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