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Coaching und ein Besuch beim Arzt

von so-ham-business-coaching

Wieviel Verantwortung trägt wer beim Coaching? 

Diese Frage soll hier mit dem in der Überschrift leicht salopp formulierten Bezug beleuchtet werden. 

 

Wir Deutschen gehen gern zum Arzt und sagen:"Hier ist meine Versicherungkarte, Arzt mach mich gesund." Wir geben also mit der Karte auch individuell verschieden viel Verantwortung an den Arzt ab. Dieser soll dann möglichst ohne unser Zutun etwas an unserem Zustand ändern, der uns nicht gefällt (Krankheit, Leiden, Schmerzen). 

Und wenn er das nicht schafft mit Medizin oder dieversen Operationen und Therapien neigen wir gern dazu, den Arzt für schlecht oder schuldig zu erklären. 

Ich will diesen Ansatz jetzt inhaltich nicht vertiefen sondern einen Bogen zum Coaching schlagen. 

Jemand, der einen Coach in Anspruch nimmt, holt sich damit einen unhabhängigen Dritten 'ins Boot' seines Selbstmanagements. Nun stellt sich die Frage, mit welcher Einstellung gehen beide an diese Aufgabe heran? Erwartet der Coachee vom Coach eine 'Heilung' ohne sein Zutun? Nimmt der Coach diese, dem Selbstbild schmeichelnde, Rolle des 'Experten' an und löst das Problem für den Coachee? Und, für den Fall, dass es funktioniert, wem ist damit geholfen?

 

Damit wir uns richtig verstehen, natürlich muss ein Coach psychologisch fit ausgebildet sein genau wie ein Arzt fachlich gut hintergründet sein muss, um das Problem des Patienten richtig einschätzen zu können und einen sinnvollen Weg vorschlagen zu können.

Aber aus meiner Sicht stellt sich einem guten Coach die Aufgabe, genau auf diesem Drahtseil zwischen einerseits Expertenwissen und der damit verbundenen Haltung sowie andererseits einer gewissen inneren Zurückgelehntheit im Vertrauen auf die Fähigkeiten des Coachees zu balancieren. Er muss dem Coachee die Sicherheit geben, in zu begleiten, ihn zu sichern und ihn ggf auch stabilisierend unterstützen zu können. Denn was passiert, wenn der Coach die Expertenrolle so sehr annimmt und dem Klienten einen exakten Weg als Lösung für sein Problem vorgibt? Das Problem wird vielleicht gelöst, doch die Strategie, zur Lösung weiterer Probleme dieser Art hat der Klient nicht verinnerlicht und 'braucht' den Experten-Coach beim nächsten Problem der selben Art wieder. Er wird also auf gewisse Weise abhängig von seinem Experten. 

Ein guter Coach schafft es, dass der Klient mit einem Gefühl von:"Wow, das hab ich geschafft und ich weiß jetzt wie ich das in Zukunft angehe." aus der Zusammenarbeit hinaus geht mit einer innerlich gefestigten Strategie und Handlungskompetenz für solche 'Art von Problemen'. Auch wird dieser Klient den Coach gern wieder in Anspruch nehmen, ihn bei der Lösung eines nächsten, andersartigen Problems wieder als Begleitung und Impulsgeber hinzu zu ziehen. 

Das heisst, während eines Coaching-Prozesses muss der Coach sicher kurzzeitig auch die Rolle des Experten einnehmen, um dem Coachee zu signalisieren, ich kenne die Gegend und Du kannst mir vertrauen, wenn ich Dich führe. 

Aber grundlegend lässt ein guter Coach die Verantwortung beim Klienten und übt sich im verstehen der anderen inneren Landkarte.... (dazu mehr im nächsten Blog) 

 

J.Adolphs

Dresden, 30.11.2011

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